Die Heise-Greise konnten sich nur dank etlicher Glückstore und einer Serie von abseits-verdächtigen Treffern mit viel Fortune und ohne Punktverlust gegen die Lokalmatadoren Lokomotive MacUp und den eigens aus München angereisten Turnierausrichter Apple X-Team durchsetzen. Gelegentlich brandete zwar anerkennender Applaus der erheiterten Zuschauer angesichts manch unfreiwilliger Slapstick-Einlage auf, doch die mehrheitlich als unverdient empfundenen hohen Siege der überalterten Truppe aus der Leinestadt fügten dem Image des traditionsreichen Turniers vermutlich irreparablen Schaden zu. So fand denn auch X-Team-Präsident Steve Jobs nur spöttische Worte für die pomadig bis überheblich angetretenen Ballzauberer aus dem Roderbruch: Fußball, das ist ein Spiel mit einem Ball, 22 Leuten und am Ende gewinnen die Greise.
Dass es für die Leinestädter mal wieder zum insgesamt dritten Gesamtsieg auf dem seit dem letzten Jahrtausend ausgerichteten Turnier reichte, lag wohl daran, dass sich alle Greise-Gegner -- einschließlich Lokomotive MacUp und Apple X-Team -- beim Warmlaufen übernommen haben. Im ersten von zwei Spielen gegen den Titelverteidiger gelangen Apples X-Team zwar etliche sehenswerte Befreiunsschläge, doch der Ball kullerte nur ein Mal -- denkbar unglücklich abgelenkt durch eine plötzliche Windböe am ansonsten herrlich windstillen Nachmittag -- ausgerechnet ins Apple-Gehäuse.
Auch das LokUp-Team, das als zweite Mannschaft gegen die sieggewohnte Star-Truppe von der Helstorfer Straße antrat, konnte seine moralische Überlegenheit nicht in Treffer oder gar Punkte umsetzen. Obendrein gingen die Nordlichter trotz lautstarker Unterstützung der überwiegend weiblich angetretenen Fans nur allzu fahrlässig mit der Spielzeit um; die Hamburger nutzten die wenigen Momente, die sie im Ballbesitz waren kaum für ihren bekannt erfrischenden Offensiv-Fußball. Als unverständlich muss aber wohl eingestuft werden, dass sich die Heise-Greise von den zahlreich und lustig kreischenden LokUp-Chear-Girls nicht haben ablenken lassen und starrsinnig bis verbohrt den Ball immer wieder ins LokUp-Tor befördern wollten. Dass dies auch noch ein Paar Mal gelang, ist aber lediglich auf unsachgemäß gemähten Rasen und Regenwurmhäufchen zurückzuführen, die dem an diesem Tag nur allzu runden Ball so unerwartete Richtungswechsel aufzwangen, dass keinem der LokUp-Abwehrrecken die sonst souveräne Kontrolle des Spielgeräts gelingen mochte.
Die Pause verging praktisch beinahe fast ereignislos, sieht man mal von Peter-Michael Zieglers unfreiwilliger Einlage ab: Er schoss zur Erheiterung der Anwesenden einen der anscheinend viel zu runden Spielgeräte auf das Turnhallenvordach und läutete damit das einzige Glanzlicht der Pause ein: Nach einer mühevollen Kletterpartie oben auf dem Dach angekommen, konnte Locke Ziegler gleich mehrere dort von Unbekannten deponierte Fußbälle auf das saftige Grün befördern.
Hatte LokUp schon beim Hinspiel kein Glück, so kam nach der Pause beim Rückspiel auch noch Pech hinzu. Die Mannschaft hatte sich nur unzureichend auf den Seitenwechsel eingestellt und musste mehrmals tatenlos zusehen wie das Leder -- durch das abschüssige Gelände begünstigt -- mit hohem Tempo ins eigene Tor rollte. Nutznießer waren auch diesmal die zwar eifrigen aber keineswegs fairen Heise-Greise, die sich während der Pause anscheinend nur unzureichend an der erforderlichen Beseitigung vergorener Getränke beteiligt hatten.
Endlich, beim zweiten Rückspiel und zugleich dem letzten Turnier-Kick -- die Greise waren eigentlich schon uneinholbar an der Spitze -- war das Glück der Hannoveraner endlich aufgebraucht. Apples X-Team ging dank unbegrochenem Kampfgeist eines einzelnen Spielers verdient und überzeugend noch in der dritten Minute mit 1:0 in Führung und hätte den Vorsprung wohl noch ausbauen können, wenn die Greise nicht jegliche weiteren Versuche unkameradschaftlich unterbunden hätten. Dass sie dann auch dieses Spiel noch deutlich gewannen, darüber wundert sich die Fachwelt immer noch. Eine schier unglaubliche Kette von unglücklichen Zufällen, Fehlvorlagen und vollkommen unbeabsichtigten Torschüssen der Greise riss letztlich auch den letzten Fußball-Romantiker aus den schönsten Schalke-Träumen und am Ende standen die Apple-Jungs erneut geschlagen und ohne Punkte gegen die humorlosen Heise-Greise da. (dza)
Daniel Adam-Schefski: Der Youngster unter den Greisen ließ sich immer wieder bemerkenswert souverän von den Kollegen bei der Abwehrarbeit vertreten. Wird sicher noch von sich hören lassen.
Stephan Ehrmann: Überragende Übersicht, aber läuferisch einmal mehr enttäuschend. Ehrmann kritisch über sich selbst: Ich sach mal so. Meine Assistentin hat mir die langen Stollen vorn unter die Schuhe geschraubt, ich musste immer bergauf laufen.
Johannes Endres: Kampfstark, standfest und wortgewandt wie eh und je.
Tobias Engler: Konnte die Gegenspieler mit seinen langen flatternden Hosenbeinen immer wieder verwirren. Hatte viel Pech mit mehreren Fast-Pfosten und -Lattentreffern.
Erich Riebartsch: Eine erstklassige Defensivleistung auf der Mittelstürmerposition, glänzte immer wieder mit liebevoll polierten Stollen.
Bernd Lange: Das Sturmass hatte immer wieder Orientierungsprobleme, stand viel zu oft auf der verweisten Libero-Position und erzielte entsprechend nur ein Glückstor mit Rückenwind aus eindeutiger Abseitsposition sowie Unterstützung aller Gegenspieler und auch des Schiedsrichters als der Torwart mal in den Büschen war.
Egbert Meyer: Fand -- verletzungsbedingt in Hannover verblieben -- nie die Bindung zum Spiel.
Peter Monnerjahn: War Torwart. Kam aber gegen die unmotivierten gegnerischen Stürmer nur selten zum Zuge. Hätte praktisch ohne zu duschen zur Abschlussfeier fahren können.
Tanja Muthig: Technisch brilliant und läuferisch überragend, aber im Zweikampf übermotiviert. Hätte für das Foul am 2,10 Meter großen Sturmtank von Lokomotive MacUp zwei bis drei rote Karten bekommen müssen.
Karin Volz-Fresia: Knüpfte nahtlos an ihre grandiose Leistung vom Pokalendspiel 1988 in Berlin an. Technisch unerreicht.
Wolfgang Wilke: Gewohnt mannschaftsdienlich. Ärgerte sich zurecht über zu viele erzielte Treffer. Wilke über seine Leistung: Ich habe oft viel zu hart geschossen. Da hätte der Schiedsrichter vorher abpfeiffen müssen, die Netze sind ja nicht mehr zu gebrauchen.
Andreas "Katsche" Wodrich: War überall, vor, hinter, neben und sogar auf dem Platz zu finden. Stets ein Gefahrenherd bei seinen Vorstößen, Flankenbällen, Kopfballtorpedos, Fallrückziehern, Seitfalldrehern, Fallstürzwuslern sowie Knie-Schulter-Hacke-Weiterkullerern. Gefürchtet seine eingesprungenen Schnürsenkler.
Peter-Michael Ziegler: Spieler des Tages. Ließ bis auf Ausnahmen jeden Gegner fair vorbeilaufen. Hatte aber Pech, dass vier von seinen 72 Torschüssen durch den Wind leider in die gegnerischen Tore abgelenkt wurden. Wird sich deshalb wohl beim X-Team-Keeper Georg, die 'Katze aus Feldkirchen' alle Sympathien bis in die Steinzeit verscherzt haben.
Dusan "Gib ab!" Zivadinovic: Der Balkan-Basler war mal wieder zu Ballverliebt und eigensinnig. Sollte sich künftig mehr darauf konzentrieren, seine Garagentorsammlung zu vervollständigen.
Thomas Gottschalk: Das hätte so nie passieren dürfen.
Andreas Stiller, Team-Chef, Maskottchen und Fotograf der Heise-Greise: Ich musste nur Auswechslungen androhen, schon schossen sie Tore.
Lothar Matthäus: Das Chancenplus war ausgeglichen.
Michael Lusch: Ich kann mich an kein Spiel erinnern, beim dem so viele Spieler mit der Barriere vom Platz getragen wurden.
Claus "Schef-Tschenko" Heitmann, Co-Team-Chef von LokUp und Co-Kommentator bei Ran-Sat1: Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Rudi Völler (nach den Vorspielen aber noch vor den Rückspielen, also während der Halbzeitpause): Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!
Georg Albrecht, Pressesprecher Apple (nach einer der ungezählten Niederlagen gegen die Greise): Das Beste an MacTrophy ist immer das Bier.
Hermann Gerland: Nach 20 Minuten waren zwei von denen angeschlagen. Die sind gehumpelt! Aber die sind schneller gehumpelt als wir gelaufen!
Martin "Mario" Kuderna (Ehrenvorsitzender bei MacTrophy-Mitveranstalter Essential Media nach einer der ungezählten Niederlagen gegen die Greise): Irgendwelche Fragen, bevor ich gehe und mich aufhänge?
Franz Beckenbauer (auf die Frage, ob er seine Karriere bei den Heise-Greisen fortsetzen möchte): Nein, die spielen immer mittwochs, da habe ich keine Zeit.